Warnemünde
Warnemünde

Warnemünde

Seefliegerhorst und Flugplatz
1913 – 1945

Im Sommer 1913 gab es erste Absprachen zwischen dem Kriegsministerium und dem Reichsmarineamt über die Einrichtung von Flugstationen. Unter anderen wurde auch Warnemünde als möglicher Standort einer Seeflugstation erwähnt.
In der sog. „Gründungsurkunde“ der Marineflieger – Kabinettsorder Kaiser Wilhelms II an Tirpitz – vom 03.05.1913 findet Warnemünde allerdings keine Erwähnung. Dort sind Johannisthal bei Berlin und Putzig in Westpreußen als einzige Orte namentlich belegt.
Im Sommer 1914 wurde jedoch in Warnemünde ein Flugtag organisiert, um die Entwicklung eines einheitlichen deutschen Seeflugzeugtyps zum Abschluss zu bringen. Diese Veranstaltung wurde gemeinsam von folgenden Institutionen organisiert: Reichsmarineamt, Kuratorium der Nationalflugspende, Reichsamt des Inneren, Deutscher Luftfahrerverbund, Rostocker Aero-Club, Stadt Rostock. Die Stadt legte aus Finanzmitteln der Nationalflugspende eigens einen Wasserflugplatz an. 11 Firmen entsandten 26 verschiedene Flugzeugmuster zur Erprobung, die Marine hatte 13 Fliegeroffiziere abkommandiert. Über die Vorbereitungsflüge kam man aber wegen des Kriegsausbruches nicht hinaus, dennoch verblieb die zum Wettbewerb anwesende Marine-Abnahme-Kommission nach der Beschlagnahme der Flugzeuge nebst Flugplatz als „Marinedienststelle für Versuche und Flugzeugabnahme“ in Warnemünde. Die Flugzeuge selbst wurden auf die bereits bestehenden Seeflugstationen verteilt. Im Verlauf des Krieges wurde auch in Warnemünde eine Seeflugstation eingerichtet. Sie war mit 8 Wasserflugzeugen bestückt und dem „Kommandeur der Flieger der Ostseestreitkräfte“ in Kiel unterstellt. Auch nach Kriegsende 1918 setzte das Versuchskommando seine Arbeit fort, die Verwaltung übernahm das Reichsschatzamt.

Leuchtturm von Warnemünde in Betrieb seit 1897

Der Flugplatz wurde zusätzlich von Polizeifliegerkräften und für zivile Zwecke genutzt. So wurde im März 1919 der Zubringerflugverkehr Berlin – Warnemünde für die Fähre Warnemünde – Gedser eröffnet. Im April folgte die Fluglinie Berlin – Warnemünde – Kopenhagen und im Mai wurde die Fluglinie bis Stockholm verlängert.

Flugzeugtypen, die an dem Wettbewerb auf der Hohen Düne 1914 teilnahmen
Flugzeugtypen, die an dem Wettbewerb auf der Hohen Düne 1914 teilnahmen

Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10.01.1920 beendet das Versuchskommando seine Arbeit, ein großer Teil der Hallen und Einrichtungen wurde gesprengt oder abgerissen. Der zivile Flugverkehr ging jedoch bis 1922 weiter, dann wurde der Flugplatz „Hohe Düne“ ganz als Verkehrslandeplatz geschlossen. Dafür mietete der Flugzeugkonstrukteur Ernst Heinkel eine Flugzeughalle und begann mit dem Bau von Flugzeugen.
Ein Jahr später (1923) wurde der Flugplatz Warnemünde „Hohe Düne“ Reichseigentum, die Stadt erhielt dafür ein Entgelt von 800 000 Mark. Im gleichen Jahr gründete Walter Bachmann, Einflieger und Unternehmer, auf dem Flugplatz die erste deutsche Land- und Seeflugschule, die „Aero- Sport GmbH“. Bis 1919 hatte er als Marine Lt.d.R. und Seeflieger beim Versuchskommando Dienst getan.
1924 wurde der Flugplatz „Hohe Düne“ wieder zeitweilig Verkehrsflugplatz. Im Jahr darauf erprobte die Abt. Luftverkehr der „Junkers Flugzeugwerke AG“ auf der Strecke Berlin – Warnemünde – Karlskrona – Stockholm eine Nachtfluglinie. Gleichzeitig wurde die „Seeflug GmbH“ mit Sitz in Warnemünde „Hohe Düne“ gegründet. Damit schuf sich die Marine eine Ausbildungsstätte für Seeflugzeugführer und -beobachter. Da dies laut Versailler Vertrag verboten war, wurde sie unter dem Deckmantel einer privaten Gesellschaft betrieben. Leiter und Geschäftsführer wurde der KKpt a.D. Goltz. (Zu ähnlichen Aktivitäten bei der Entstehung der Schnellbootswaffe vgl. Teil „Reichsmarine“)
Mit Gründung der „Seeflug GmbH“ auf dem Flugplatz „Hohe Düne“ wurde die „Aero-Sport GmbH“ eingeengt. Walter Bachmann konzentrierte sich jetzt mehr auf Flugzeugbau bzw. Reparaturen. Im Juli 1926 fand der 2. Seeflugwettbewerb mit 12 Startern statt. Ein Jahr später wurde die „Seeflug GmbH“ aufgelöst und die Pilotenausbildung auf dem Flugplatz von der „Deutsche Verkehrsfliegerschule (DVS)“ übernommen. Es befanden sich ständig 30-40 Flugschüler auf der „ Hohen Düne“, nur 1/3 davon waren zukünftige Verkehrsflieger. Für die Marine wurden ab 1925 bereits jeweils 12 Kadetten eines Einstellungsjahrganges vor ihrem Eintritt in die Marine zum Seeflieger ausgebildet. Die Ausbildungszeit erhöhte sich 1929 auf ein Jahr.
1932 wurden auf dem Flugplatz Szenen des UFA-Films „F.P.1 antwortet nicht“ mit Hans Albers gedreht.

Gelände des Flugplatzes auf der Hohen Düne

1934 wurden der Flugplatz und die DVS der Reichswehr unterstellt. Der Flugzeugbau wurde eingestellt und die Produktionsstätten
· für Heinkel: nach Rostock- Marienehe und
· für Bachmann: nach Ribnitz verlegt
Auf der „Hohen Düne“ und in Markgrafenheide entstanden Wohn- und Kasernenbauten für das Flugplatzpersonal. Ein Jahr später wurde die Luftwaffe offiziell zum dritten Wehrmachtsteil erklärt, die DVS aufgelöst und die Seefliegerschule als Flugzeugführerschule (See) gebildet um Flugzeugführer und Beobachter auszubilden.
Zum Ende des Krieges wurde nach der Zerstörung des Flugplatzes Berlin – Tempelhof die „Hohe Düne“ noch einmal wieder Verkehrsflugplatz. Die Lufthansa flog bis zum 30.04.45 nach Dänemark, Schweden und Norwegen. Dann wurden die Anlagen gesprengt bzw. demontiert, lediglich die Gebäude im Eingangsbereich zum Flugplatz, unmittelbar am „Neuen Strom“, blieben vorerst stehen und wurden erst – bis auf eine Ausnahme – 1957/58 im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Seekanals abgerissen. In dem stehengebliebenen Gebäude befindet sich heute der Sitz der Warnemünder Lotsen.
Zwischenzeit
1945 – 1955
Der Flugplatz „Hohe Düne“ war bei Kriegsende eine Trümmerlandschaft, die Wohn- und Kasernenbauten hier wie in Markgrafenheide von Flüchtlingen und Umsiedlern bezogen. Eine mot. Küstenbatterie der Baltischen Flotte begann einige Baracken auf dem ehemaligen Flugplatzgelände, einen Kasernenbau in Strandnähe und vier angrenzende Doppelhäuser zu nutzen, die Feuerstellungen und der Gefechtsstand lagen in den Dünen. Bis 1968 sollte sie hier stationier bleiben. In einem Wohnhaus mit Turm, in der Nähe der Fähranlegestelle, richtete sich eine Marinesignalstelle der Baltischen Flotte ein. Im Westteil des ehemaligen Flugplatzgeländes entstand eine Wohnsiedlung für Angehörige der Warnow-Werft. An einem Anleger im Nordwestteil des Breitlings führte eine kleine Bootswerft Reparaturen an Kuttern und anderen Kleinfahrzeugen aus.

Volksmarine
1956 – 1990
Am 1. Mai 1956 wurde der Stab der „Flottenbasis West“ der Seestreitkräfte der DDR nach Warnemünde „Hohe Düne“ verlegt, musste anfangs aber noch in Baracken untergebracht werden.
Am Breitling gab es in dieser Zeit nur eine kurze befestigte Anlegemöglichkeit für Schiffe und Boote. Es wurden Anleger aus Holz gebaut. Ein außer Dienst gestelltes Schulboot „Prenzlau“ (ehem. dän. Marine „Quintus“, dann Kriegsmarine) diente als Hafensignalstelle und Funkstation.
Als erste schwimmende Einheiten wurden zum Stützpunkt Warnemünde „ Hohe Düne“ verlegt:
· 8 Küstenschutzboote (KS-Boote) Typ Seekutter,
· 10 Hafen- und Reedeschutzboote Typ Tümmler und Delphin,
· 10 Räumboote (R-Boote) Typ Schwalbe.
Aus dem Stab und den Einheiten der Flottenbasis West wurde am 15.11.1956 die 4. Flottille gebildet zu der auch der Seehydrographische Dienst Warnemünde gehörte, gleichzeitig erfolgte der Ausbau des Stützpunktes.
Weitere Einheiten wurden der 4. Flottille unterstellt:
· 1959 die 4. MLR (Minenleg- und Räumschiff) Abteilung mit 10 Schiffen Typ „Krake“ und 4 Schiffen Typ „Habicht“.

Krake auf Position vor Marienleuchte 1964
Habicht vor Fehmarn 1965

· 1961 das Aufklärungsschiff „Hydrograph“.
· 1962 bis 65 die 4. KSS (Küstenschutzschiff) Abteilung mit 4 Schiffen „Riga“, für die die „Seekutter“, „Tümmler“ und „Delphin“ außer Dienst gingen und die „Habicht“ nach Peenemünde verlegten.

Hydrograph – ständiger Begleiter in der Ostsee hier vor Fehmarn 1968
Riga vor Rügen 1969

· ab 1966 2. und 4. MSR (Minensuch- und Räum) Abteilung mit den neuen Booten „Kondor“, für die die „Krake“ außer Dienst gingen.
· 1973 die ersten vier U-Jagdboote vom Typ „S0 1“, die allerdings drei Jahre später durch 4 U-Jagdboote „Hai“ ersetzt wurden.

Kondor westliche Ostsee 1970
Hai vor Bornholm 1978

· 1976 das Motorschulschiff „Wilhelm Pieck“ für die praktische Ausbildung von Offz.Schülern sowie das Vermessungsschiff „Carl Fr. Gauss“. Des weiteren wird der 4. Flottille eine Raketen-Technische-Abteilung (RTA) unterstellt und in Schwarzenpfost (bei Rövershagen) stationiert.
· 1978 Zulauf der ersten Einheit Typ „Koni“ (Rostock) und Außerdienststellung der „Riga“-Klasse. Es folgten „Berlin“ 1979 und „Halle“ 1986.
· 1981 begann die Indienststellung von insgesamt 8 Schiffen vom Typ „Parchim“, im Gegenzug wurden dafür die „Hai“ außer Betrieb genommen.

Koni mit sowj. Versorger im Kattegat 1982
Parchim vor Rügen 1983

1983 liefen zwei Hochseeversorger vom Typ „Darss“ zu. Gleichzeitig wurde die Raketen-Technische-Abteilung (RTA) in eine Raketen-Technische-Kompanie (RTK) umgewandelt. Sie erhielt im Stützpunkt Warnemünde Dienstgebäude, Unterkünfte, und Liegenschaften für die Technik.

1985 trat die „Jasmund“ an Stelle des ausgemusterten „Hydrograph“.

Ende der 80er Jahre hat die 4. Flottille folgende Gliederung:
4. Sicherungsbrigade (SB) mit
zwei MAWS (Minenabwehr Schiffs) Abteilungen („Kondor“)
zwei UAWS (U-Boot Abwehr Schiffs) Abteilungen („Parchim“)
4. Küstenschutzschiffsbrigade (KSS) („Koni“)
4. Vermessungsschiffsabteilung (VSA)
4. Hilfsschiffsabteilung

Dislozierung der Volksmarine März 1990

Am 02. Oktober 1990 waren die Soldaten und Zivilbeschäftigten der 4. Flottille zu einer feierlichen Musterung im Stützpunkt Warnemünde „Hohe Düne“ angetreten. Der Chef der 4. Flottille, Kapitän zur See Fechner, erinnerte an die Geschichte der 4. Flottille und würdigte in seiner Dankesrede das pflichtbewusste und besonnene Verhalten der Soldaten und Zivilbeschäftigten besonders auch in der Zeit der „Wende“. Auf Kommando wurden die Dienstflaggen der NVA und der Volksmarine eingeholt.

Deutsche Marine
1990 – jetzt
Seit dem 3. Oktober 1990 wehte über dem Marinestützpunkt Warnemünde die Bundesdienstflagge und auf einigen schwimmenden Einheiten die Flagge der Seestreitkräfte der Bundesrepublik Deutschland.
Am 5. Oktober waren die inzwischen übernommenen Soldaten und Zivilangestellten der 4. Flottille erneut angetreten. Flottillenadmiral Horten stellte sich als Kdr Marineaufstellungskommando Rostock vor, informierte über die Situation der Bundeswehr in den neuen Bundesländern, entband KzS Fechner von seinen Pflichten und übertrug das Kommando über die 4. Flottille an Kpt. zS Michael Kämpf.
Der Seehydrographische Dienst war bereits im Sommer 1990 aus der VM ausgegliedert worden und wurde nach dem 3.10.1990 mit dem Deutschen Hydrographischen Institut (DHI), heute Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) zusammengeführt. Auch die Grenzbrigade Küste war im späten Sommer 1990 aus der Volksmarine ausgegliedert worden, die in Warnemünde stationierten Schiffe der Grenzschiffsabteilungen wurden vom Bundesgrenzschutz übernommen und als 3. BGS Flottille geführt.
Die Deutsche Marine beließ nach dem 3.10.1990 von den Einheiten der VM mindestens eine pro Klasse im Dienst als Motivation für die Besatzungen, um in den bis dahin unbekannten Westen unseres Landes zu fahren und Land und Leute kennenzulernen, und als einsatzfähiges Anschauungsobjekt für Kaufinteressenten. Im Dezember 1990 führten alle u-jagdfähigen Einheiten, außer der Halle deren Besatzung wegen eines Eisenbahnerstreiks an der rechtzeitigen Rückkehr aus dem Wochenende gehindert wurde, ein Ujagdmanöver mit einem UBoot Kl. 206 im Arkonabecken durch, um die tatsächlichen Fähigkeiten der Einheiten in der Praxis zu testen. OTC war KzS Plessmann. Sein klassifizierter Abschlußbericht bestätigte die bisherige, westliche Einschätzung der Fähigkeiten und änderte somit nichts an der Absicht zur Außerdienststellung mit anschließendem Verkauf/Verschrottung. Kündigung von Besatzungsangehörigen, Knappheit von Ersatzteilen, bindende Umweltvorschriften und auslaufende, ohne Umbauten nicht zu erhaltende Betriebsgenehmigungen beendeten den Betrieb dieser Einheiten in 1991. Bis auf die 3 „Koni“, die in Warnemünde blieben, wurden die Kampfeinheiten nach Peenemünde gebracht, um dort auf eine Weiterverwendung zu warten. Der Anblick dieser Flotte ohne Auftrag und ohne absehbare Perspektive konnte jeden Seemann traurig stimmen. Eine Darss-Einheit wurde beim Transport für die Lebensmittelhilfe der Sowjetunion eingesetzt.

Stützpunkt Warnemünde 1990

Die Deutsche Marine nutzte den Hafen und Stützpunkt zunächst als Anlaufhafen, bis dann am 4. Oktober 1994, dem 4. Jahrestag der Deutschen Einheit, die Schnellbootflottille von Flensburg-Mürwik nach Warnemünde zog, um den Typstützpunkt für Schnellboote einzurichten. Einen Monat später (November 1994) folgte das 2. Schnellbootgeschwader von Olpenitz und im Dezember 1995 verlegte das 7. Schnellbootgeschwader von Kiel nach Warnemünde. Damit waren nun insgesamt 20 Schnellboote der Deutschen Marine mit ihren Tendern hier stationiert.

Boote und Tender des 2. und 7. Geschwaders in ihrem neuen Heimathafen

Auch das Gesicht des Stützpunktes veränderte sich durch Renovierung und Neubauten deutlich. Ebenso wurde der Hafenbereich mit einer Wassertiefe von 7 – 8 Metern und der Südmole mit integrierter Munitionsumschlagpier gut ausgebaut. Mit der ebenfalls neu gebauten Süd-Ost-Mole wird vor allem der bei südlichen Winden auflaufende Seegang aus dem Breitling abgefangen und ein ruhes Liegen an den Schwimmpieren gesichert. Über die mit Autokränen befahrbare Mole ist außerdem der Umschlag schwerer Güter möglich. Landseitig ist noch Vorsorge für eine dritte Schwimmpier getroffen. Mit der Stationierungsentscheidung des Bundesministers der Verteidigung vom 26. November 2011 ist der Bestand von Warnemünde als Stützpunkt der Deutschen Marine für das 1. Korvettengeschwader auch nach endgültigem Abschied von den Schnellbooten gesichert.

Im Vordergrund die neue Süd-Ost-Mole noch im Bau

Quellen:
Hans Mehl; Knut Schäfer: Die andere deutsche Marine, Berlin 1992
Übergabebericht Min.f.Nat.Vtg. Adm. Hoffmann an Min.f.Abrüstung u. Vtg, Eppelmann, März 1990
Kroschel; Stützler: Die deutschen Militärflugzeuge 1910 – 1918, Wilhelmshaven 1977
Stützpunkt Information in Homepage der Deutschen Marine
Duppler, Jörg: Marineflieger, Herford 1988
Pers. Erinnerungen VAdm.a.D. Horten
MarineForum 12/2004 S 34 (Zehn Jahre Hohe Düne)
BMVg: Die Stationierung der Bundeswehr in Deutschland v. 26.11.2011

Fotos:
Stadt Warnemünde
Bilderbogen Mecklenburg-Vorpommern
MarineForum
Frank